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2020-02-24

Mein Wald

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Vor Zwanzig Jahren haben sich mein Mann und ich den Traum vom eigenem Wald erfüllt. Mit dem Erwerb des Waldes und dem dazugehörigen alten Haus wurde ich offiziell „Waldbäuerin“ und mein Mann mein erster Holzknecht. Meine Mama konnte es nicht fassen. Die wunderschöne Wohnung mitten in der Stadt aufzugeben und dafür auf den Berg in ein altes sanierungsbedürftiges Haus zu ziehen. Unsere damals 15-jährige Tochter war auch nicht begeistert. Immerhin gab´s Handy-Empfang nur am Klo und Fernsehen sowieso Fehlanzeige, da wir aufgrund der Bäume nur spärliche Signale erhielten.
Für mich war es das Paradies. Jede freie Minute verbrachte ich in meinem Wald. Immerhin hatte mein kleiner Wald siebzehn verschiedene Baumsorten und unzählige seltene Pflanzen im Unterholz.
Ein Wald ist aber nicht gerade Wohnhaus freundlich. Vom Frühling bis in den Spätherbst blüht immer irgend ein Baum und der Wind bringt dir garantiert den Blütenstaub an die frisch geputzten Fenster oder, wenn die Fichten und Tannen blühen ist sowieso alles tief gelb eingehüllt, gleich der sandbedeckten Sahara. Im Herbst gibt es jeden Tag Unmengen von Laub zum Kehren und im Winter bei viel Schnee, hängen die Äste tief herunter. Nur bei eisiger Kälte zauberten mir die Bäume eine Eislandschaft und ich fühlte mich, wie die Schneekönigin in ihrem Reich.
Mit den ersten Sonnenstrahlen im Lenz begann das Spiel auf ein Neues. Frau Birke meldete sich zuerst und brachte herrlichen Saft und bis Mitte Mai konnte ich jeden Tag zuschauen, wie sich die Bäume in unzählig grünen Schattierungen zu meinem wunderschönen, fast undurchdringlichen Wald entfalteten.
Nach einigen Jahren kam in der Gemeinde ein neuer Flächenwidmungsplan und dafür musste damals ein Teil meines geliebten Waldes weichen. Es war nur ein kleiner Streifen am Rand des Hauses. Bei jedem einzelnen Schnitt mit der Motorsäge ging es mir durch und durch. Kleine Bäumchen habe ich vorher schon ausgegraben und umgesetzt. Am Waldstreifen habe ich einen Kräutergarten angelegt. Die großen Bäume haben aber fleißig ihre Nachkommen in diesen Garten geschickt und aus dieser Kinderstube ist zu meiner Freude, wieder ein kleiner Wald entstanden.
Unser Klima bringt viele Stürme. Bis dato waren wir eher in geschützter Lage. Nur Sturm Kyrill hatte damals eine kranke Tanne zu Fall gebracht. Voriges Jahr hat einer unserer Waldnachbarn ostseitig seinen Wald abgeholzt. Jetzt hat der Wind freies Spiel über den Hang. Unser Wald mit seinen fast hundert Jahre alten Bäumen ist jetzt plötzlich ein hohes Gefahrenpotential für unser Haus und unser Leben.
Schweren Herzens habe ich bei der Forstbehörde um Abholzung angesucht. Vor Fabian und Sebastian (letzter Holzschlagtag) kamen die Holzfäller, mit schwerem Gerät, und meine stolzen Freunde sind mit lautem Krachen zu Boden gestürzt. Bleibt mir, als kleiner Dank, nur die Pflege ihrer Nachkommen, damit auch sie mit meinen Enkeln um die Wette wachsen können und viel Freude aneinander haben.

Heidemarie - 13:59:07 @ Trennung und Trauer | Kommentar hinzufügen

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